HUMONDE - Zeitschrift für eine humane Welt und Wirtschaft
Hans Olbrich, © Marcus Gruber
Hans Olbrich. Seit 40 Jahren Informationsgestalter und Autor für Unternehmen, Organisationen und Redaktionen.
1.6.2004 | Druckansicht

Macht & Medien

Was Medien „produzieren“

In früheren Science-Fiction-Krimis haben Bösewichte ihre Herrschaft über die Welt noch mit Hilfe von Superbomben angestrebt, die sie in unterirdischen Fabriken auf abgelegenen Inseln fabrizierten, bis ihnen der zuständige Geheimagent den üblichen Strich durch die Rechnung machte. In neueren Krimis dieser Art sehen solche Fabriken anders aus. Jetzt sind es Medienfabriken. Die Filmemacher haben zugelernt: Wer die Menschen beherrschen will, muss die Medien beherrschen. Wie sieht die Wirklichkeit aus? Da war doch was im Radio. Hier folgen Notizen über ein Gespräch, das Christoph Burgmer im Deutschlandfunk mit dem amerikanischen Medienexperten und Gesellschaftsvisionär Michael Albert geführt hat.

Notiz von Hans Olbrich

Aus dem ersten Notizzettel: Das „Produkt“ Verbraucher

Massenmedien seien vielfach selbst Bestandteil global agierender Konzerne. Und deren Interesse sei es, die Menschen so zu steuern, dass die Unternehmen ihren Einfluss und ihren Profit steigern können. Und dann lieferte Albert eine Definition, die ebenso frech wie einfach klingt: Das Produkt dieser Massenmedien seien nicht zuallererst Sendungen von Nachrichten und Unterhaltung. Das gehandelte Produkt sei „der Mensch selbst“. Denn kommerzielle Medien täten nichts anderes, als Verbraucher an die Werbeindustrie zu verkaufen.

Aus dem zweiten Notizzettel: Das „Produkt“ Macht

Früher gab es in den USA vielleicht fünfzehn Zeitungen in den Händen verschiedener Eigentümer. Heute seien es eher nur noch drei Eigentümer, die je fünfzehn Zeitungen besitzen. Zugleich erhöhe die US-Regierung den Druck auf den Rest der Welt, alle Märkte zu öffnen. Zunächst sei das nur über Organisationen wie die Weltbank und die Welthandelsorganisation geschehen. Dort habe man sich noch den Anschein gegeben, mit anderen zu diskutieren. Doch dann kam der elfte September. Seither habe man alle Feigenblätter abgelegt.

Aus dem dritten Notizzettel: Das „Produkt“ Angst

Die Massenmedien in den USA arbeiten Informationen so auf, dass die Bevölkerung in Angst gehalten wird und gleichzeitig das Wissen weiter Teile der Bevölkerung über politische Zusammenhänge beschränkt bleibt. Die amerikanische Bevölkerung sei tatsächlich davon überzeugt, dass soziale Hilfsprogramme einen größeren Teil im nationalen Haushalt einnehmen als der Militäretat. Die Massenmedien fördern diese politische Ignoranz, so dass die Amerikaner heute wohl zu den uninformiertesten Menschen der Welt gehören dürften.

Aus dem vierten Notizzettel: Das „Produkt“ Hoffnungslosigkeit

Es seien die Massenmedien vom Schulbuch bis zum Fernsehen, die bewusst Zynismus und ein tiefes Gefühl der Hoffnungslosigkeit produzieren. Denn erst diese Hoffnungslosigkeit erzeuge die Gewissheit, dass eine andere Welt unmöglich sei. Diese Massenhypnose erreichten die Medien, indem sie Alternativen unterschlagen und andere politische Bewegungen und ihre Erfolge, Inhalte und Forderungen niemals erwähnen. Es sei wie eine ansteckende Krankheit, von der auch die Angestellten der Medienunternehmen völlig infiziert seien.

Aus dem fünften Notizzettel: Alternative Medien fördern

Michael Albert bedauerte in diesem Gespräch, dass es bisher eher alternative Medien gebe, die man nur finde, wenn man sie suche. Neue alternative Medien müssten die Massenmedien stärker unter Druck setzen. Dies könne nur gelingen, wenn man zivilen Ungehorsam und Demonstrationen mit der Berichterstattung durch alternative Medien vernetzt. Alternative Medien können so zu einem Teil der Demonstrationen werden und Demonstranten die notwendige Rückendeckung durch Information geben.

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