HUMONDE - Zeitschrift für eine humane Welt und Wirtschaft
Matthias Lohrer
Matthias Lohrer, Jahrgang 1965, studierte Kulturpädagogik und Informatik. Nach vielen Jahren als Redakteur in verschiedenen Verlagen arbeitet er seit 1998 als freiberuflicher Fachautor und Webentwickler in Bühl und Baden-Baden.
1.2.2005 | Druckansicht

Praxis & Projekte

Die etwas andere Bank aus Schweden

Die kleine schwedische JAK-Bank – ihre drei Buchstaben stehen für Jord, Arbete, Kapital, zu deutsch Land, Arbeit, Kapital – trotzt erfolgreich dem Zins. JAK tritt für nachhaltiges Wirtschaften ein und betreibt Aufklärung über die negativen Folgen einer Wirtschaft, die auf dem Zinsgeldsystem basiert. Wer bei JAK sein Geld anlegt, erhält keine Zinsen. Und wer hier Geld ausleiht, muss kaum Zinsen zahlen. Wie geht das? Recht gut sogar: Die einst als Genossenschaft gegründete Bank existiert schon seit vierzig Jahren und zählt heute rund fünfundzwanzigtausend Kunden und Einlagen von rund siebzig Millionen Euro. Und hat jetzt eine deutsche Variante im Visier.

Beitrag von Matthias Lohrer

Auch Schweden kennt die Konzentration im Bankwesen. Als immer mehr kleine Filialen geschlossen wurden und die Versorgung mit Bankdienstleistungen vor allem in den ländlichen Gebieten immer schlechter wurde und Kredite für Bauherren und Geschäftsleute immer schwerer zu bekommen waren, wurde 1965 diese etwas andere Bank gegründet. JAK war zuerst keine „echte“ Bank, sondern ein genossenschaftlicher Zusammenschluss als Leih- und Sparverein. Erst 1997 erhielt die Genossenschaft den offiziellen Status einer Bank.

Im Prinzip arbeitet JAK ähnlich wie eine Bausparkasse: Die Mitglieder legen ihr Geld zusammen und verleihen es untereinander. So bleibt das Geld im Land und sorgt für die finanzielle Stabilisierung ländlicher Gebiete. Die meisten Kredite vergibt die JAK für den privaten Hausbau. Anleger können bestimmen, welche gemeinnützigen Projekte damit gefördert werden sollen.

Wie funktioniert das? Wer bei einer üblichen Bank zum Beispiel hunderttausend Euro leihen will, kann diesen Betrag in hundert Raten zu je tausend Euro plus Zinsen tilgen. Bei der JAK-Bank zahlt er stattdessen zweihundert Raten zu tausend Euro – und bekommt den „Überschuss“ von hunderttausend Euro anschließend zurück. So hat er hunderttausend Euro Kredit erhalten und hunderttausend Euro unverzinst angespart. Bereits während der Rückzahlphase steht dieses unverzinst gesparte Geld anderen Mitgliedern als zinsloser Kredit zur Verfügung. Das ist das Grundprinzip.

Und wovon zahlt die Bank Gehälter und andere Betriebskosten? Dafür zahlen die Kunden Mitgliedsbeiträge und Gebühren, die aber nicht steigen und fallen wie Zinssätze, sondern berechenbare Konstanten sind. Private Baudarlehen entsprechen dann etwa einem effektiven Jahreszins zwischen ein und zwei Prozent.

Gibt oder gab es so etwas auch in Deutschland? Nachfragen bei einigen Banken und Bausparkassen wurden skeptisch bis verwundert und in einigen Fällen wenigstens mit historischen Fakten beantwortet, blieben am Ende aber wenig ergiebig. Verständnis zeigte man nur bei der GLS-Bank. Auch die verwendet zinslose Einlagen für zinslose Darlehen an gemeinnützige Kreditnehmer und berechnet eine Kostendeckungsumlage. Das JAK-Ansparmodell sei etwas anderes.

Von der GLS-Bank führte die Spur zu Falk Zientz vom Deutschen Mikrofinanz Institut. In Zusammenarbeit mit der bekannten Regiogeld-Expertin Margrit Kennedy und dem JAK-Entwicklunsgdirektor Oskar Kjellberg plant er ein dem JAK-Modell entsprechendes Konzept für Deutschland. Konkret sei hier noch nichts, aber er geht davon aus, „dass wir bald erste Ansätze realisieren können“.

Zientz weist auf die Besonderheiten des schwedischen Modells hin: JAK sei nicht nur ein finanzmathematisches, sondern insbesondere ein sozialethisches Modell. Und: „Die starke regionale Präsenz in Schweden ist nur durch zahlreiche ehrenamtliche Mitarbeiter möglich. Das kann aber eine Bank nicht einfach aus dem Boden stampfen, sondern das muss aus einer Bewegung wachsen.“ Außerdem weist Zientz auf die Grenzen dieses Finanzierungsmodells hin: „Insbesondere kleine und mittlere Unternehmen haben derzeit Probleme, Kredite zu erhalten. Das JAK-Geschäft funktioniert aber dezidiert nur in risikoarmen Bereichen, etwa bei Privatkrediten und im privaten Wohnungsbau.“

Die JAK-Mitgliedsbank ist im Internet unter www.jak.se erreichbar.
Die kanadische Unternehmensberatung Anielski hat eine umfangreiche Studie über die JAK-Bank erstellt, die als PDF heruntergeladen werden kann.

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