HUMONDE - Zeitschrift für eine humane Welt und Wirtschaft
Thomas Seltmann, © Marcus Gruber
Thomas Seltmann (Jahrgang 1972) ist Experte für nachhaltige Energiewirtschaft, Autor und Berater für Solartechnik ("Photovoltaik - Strom ohne Ende", Solarpraxis Verlag Berlin), untersucht und propagiert Alternativen zur herrschenden Ökonomie, engagiert sich für mehr Demokratie und hält Vorträge zu Themen wie "Überall fehlt plötzlich das Geld - warum eigentlich?" und "Mehr Wohlstand ohne Wachstum."
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1.2.2005 | Druckansicht

Ökonomie & Ökologie

„Man muss die Machtfrage stellen“

Am 14.12.2004 erschien in der taz ein Streitgespräch zweier deutscher Umweltschützer. Angelika Zahrnt vom BUND setzt darin auf die Nähe zur politischen Macht, der frühere Greenpeace-Chef Thilo Bode fordert harte Konfrontation, beide kritisieren die aktuelle Politik eines unbegrenzten Wirtschaftswachstums. Thomas Seltmann fragte daraufhin in einem Leserbrief, der am 20.12.2004 unter „Meinung und Diskussion“ veröffentlicht wurde, nach der Macht des Geldes.

Kommentar von Thomas Seltmann

Wer die Machtfrage stellt, muss auch wissen, wovon die Macht ausgeht. Ausgeblendet bleibt meist die Macht des Geldes. Damit meine ich nicht diejenigen, die das Geld in Händen halten, sondern die Regeln, nach denen das Geld selbst funktioniert. Und diese widersprechen heute den Forderungen nach Nachhaltigkeit und sozialer Gerechtigkeit diametral.

Nicht fehlende Gutwilligkeit der Akteure, sondern dieser still akzeptierte oder gar übersehene Widerspruch muss hinterfragt und korrigiert werden. Ein Geld, das via Zins und Zinseszins dauerhaft exponentielles Wachstum von Produktion und Konsum voraussetzt, lässt sich nicht mit einer Wirtschaft in Einklang bringen, die (in Deutschland) linear seit 55 Jahren wächst. Ein solches Geld ist unsozial.

Und selbst eine „nur“ linear wachsende Wirtschaftsleistung führt in einer endlichen Welt mit begrenzten Ressourcen zur ökologischen Katastrophe. Was wir brauchen, ist ein Geld, das Wohlstand ohne Wachstum ermöglicht! Ein solches anderes Geld ist möglich, denn Geld ist kein Naturgesetz, sondern von Menschen konstruiert. Dort befindet sich ein Dreh- und Angelpunkt für soziale Gerechtigkeit wie auch ökologische Nachhaltigkeit.

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