HUMONDE - Zeitschrift für eine humane Welt und Wirtschaft
Hans Olbrich, © Marcus Gruber
Hans Olbrich. Seit 40 Jahren Informationsgestalter und Autor für Unternehmen, Organisationen und Redaktionen.
1.5.2005 | Druckansicht

Arbeit & Soziales

„Liebe geht durch den Magen“

So steht es auf Seite drei der Edeka-Werbezeitung für die 18. Kalenderwoche über einem Rezept für die Zubereitung von Viktoriasee-Barsch, der bei Edeka diese Woche 1,19 Euro pro hundert Gramm kostet. Am Viktoriasee kostet er die Fischerfamilien eher das Leben.

von Hans Olbrich

Wie es am Viktoriasee aussieht, zeigt der Dokumentarfilm „Darwins Alptraum“ von Hupert Sauper (seit Mitte März in deutschen Kinos): Einerseits moderne Fischfabriken und eine scheinbar zivilisierte Normalität, andererseits verwahrloste Hüttendörfer am Ufer des Sees, Armut, Prostitution, Alkohol, Straßenkinder, AIDS und Hunger. Trotz der Unmengen von Fisch, der für die Einheimischen aber nicht bezahlbar ist.

Zwei Millionen Weiße essen täglich Viktoriabarschfilet. Über Herkunft und Hintergründe der Delikatesse wissen die wenigsten etwas. In den 1960er Jahren wurde der Nilbarsch im ostafrikanischen Viktoriasee ausgesetzt. Dort hat dieser Raubfisch mehr als 400 verschiedene endemische Fischarten nahezu ausgerottet. Dann kamen andere Räuber, die jetzt den Fischern den Fisch rauben. Riesige Transportmaschinen der Industrienationen starten täglich mit Tonnen von Fischfilets in Richtung Norden. Auf dem Rückflug bringen sie Waffen für Afrikas Kriegsherren mit.

Dokumentarfilmer Sauper: „Wo immer in einer relativ armen Gegend ein wertvoller Rohstoff entdeckt wird, gehen die Menschen im Umfeld des neuen Reichtums elend zugrunde. Ihre Söhne werden zu Wächtern und Soldaten, ihre Töchter zu Dienerinnen und Huren. Es macht mich krank, diese sich wiederholende Geschichte immer wieder zu hören und zu sehen. Ich könnte den gleichen Film in Sierra Leone machen, nur wären die Fische dann Diamanten, in Honduras Bananen, in Libyen, Nigeria oder Angola Öl.“

Edeka empfiehlt Viktoriabarschfilet mit Dillgurkengemüse.

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