HUMONDE - Zeitschrift für eine humane Welt und Wirtschaft
Wolf von Fabeck
Wolf von Fabeck, Jahrgang 1935, ist Gründer und Geschäftsführer des Solarenergie-Förderverein Deutschland (SFV, Aachen) und streitet seit vielen Jahren für eine umfassende Energiewende. Für sein Engagement erhielt er 2005 den Deutschen Solarpreis der Organisation Eurosolar (Bonn).
6.1.2006 | Druckansicht

Ökonomie & Ökologie

Wenn man UNS den Gashahn zudreht

Was würde geschehen, wenn Gazprom mal nicht der Ukraine oder Moldavien, sondern UNS den Gashahn zudreht - oder den Preis verfünffacht? Sind Sie sicher, dass das nie vorkommen wird?

Kommentar von Wolf von Fabeck

Gründe kann es viele geben: Vielleicht kritisiert Deutschland die Verhältnisse in Tschetschenien zu oft. Oder vielleicht können in 10 Jahren die Erdgasquellen einfach nicht mehr mit der steigenden Nachfrage mithalten? Dann jedenfalls wird bei uns wieder einmal laut und vorwurfsvoll der Ruf nach dem Staat erschallen. Auch diejenigen werden schreien, die sich heute als Befürworter eines "schlanken", total liberalen Staates zeigen und die dem Staat sogar das Recht und die Pflicht zur Daseinsvorsorge bestreiten.

Bei dieser Gelegenheit sei ein kurzer Blick auf unser Staatsverständnis erlaubt. Unsere Staatsform ist die Demokratie - wohlgemerkt, keine plebiszitäre Demokratie, die bei jeder Entscheidung eine Volksabstimmung durchführt. Unser Staat ist vielmehr eine repräsentative Demokratie. Hier haben die vom Volk gewählten Vertreter die Pflicht, nach bestem Können das Staatsschiff zwischen allen gefährlichen Klippen hindurchzusteuern; auch wenn sie dazu unpopuläre Entscheidungen treffen müssen.

Damit kommen wir zurück auf die Energieversorgung. Wir erkennen von Tag zu Tag mit größerer Deutlichkeit, wie gefährdet und brüchig das Energiesystem ist, auf dem nicht nur unser Wohlstand, sondern sogar unser nacktes Überleben im kalten mitteleuropäischen Winter beruht. Hier zeigt sich - für Viele noch völlig überraschend - die derzeit gefährlichste Klippe auf dem weiteren Kurs unseres Staatsschiffes. Um dieser Klippe auszuweichen, müssen einschneidende Maßnahmen getroffen werden. Vordringlich ist insbesondere die Erhöhung der Energieeffizienz; darin sind sich alle in der Regierungsmannschaft einig.

Doch Worte alleine genügen nicht für einen Kurswechsel, irgend jemand muss schließlich das Ruder umlegen. Gerade die Experten des freien Marktes wissen, dass die Wirtschaft ausschließlich durch Preissignale gesteuert wird. Und wo bleiben nun nach dem Gazprom-Schock vom Jahreswechsel die Preissignale? Im Klartext: Damit Wirtschaft und Verbraucher endlich mit der Erhöhung der Energieeffizienz Ernst machen, muss Energie deutlich teurer werden. Doch alle Welt faselt derzeit davon, dass Energie billiger werden müsse. Teure Energie ist schrecklich unpopulär; aber das kann das Problem nicht sein. Den Mut zur Unpopularität hat unsere neue Regierung schon längst bewiesen, indem sie eine Mehrwertsteuererhöhung um 3 % für 2007 ankündigte. Die Gelegenheit für eine Kurskorrektur ist günstig wie selten zuvor. Statt die Mehrwertsteuer zu erhöhen, gilt es die Energiesteuer erhöhen. Die Wirtschaft braucht einen handfesten Anreiz zur Erhöhung der Energieeffizienz!

Solarenergie-Förderverein Deutschland e.V. (SFV):
http://www.sfv.de

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