HUMONDE - Zeitschrift für eine humane Welt und Wirtschaft
Andreas Bangemann ist Unternehmer und Chefredakteur der Zeitschrift Humane Wirtschaft mit eigenem Internet-Blog: http://blog.humane-wirtschaft.de/
17.2.2010 | Druckansicht

Bürger & Staat · Macht & Medien

Geschunkelter Unmut

Die Narretei ist das Wasser, das den Zement der Politik zu jenem Beton macht, der dann die Füße der Bürger umschließt

Am Aschermittwoch ist alles vorbei, nur nicht der Unmut über die Politik. Während die Jecken ihren Rausch ausschlafen, nutzt das politische Spitzenpersonal die Gunst der Stunde, ihren eigenen Unmut über das Wahlvolk in Verbalattacken gegen den politischen Gegner umzumünzen. Nur das Donnerwetter am Donnerstag bleibt aus.

Kommentar von Andreas Bangemann

Eine Million Menschen säumen in Köln und nahezu die gleiche Zahl in Düsseldorf die Straßen in eisiger Winterkälte während die nackte Kanzlerin und der mit der Mafia kopulierende Berlusconi durch die die Straßen ziehen. Es ist Karneval und die närrische Meinungsfreiheit scheint grenzenlos. „Die Politiker müssen einfach die Wahrheit aushalten, sich gefälligst am Riemen reißen und es demnächst besser machen”, lallt man fröhlich in die Mikrofone der Reporter. Doch würden die Menschen auch auf die Straße gehen und den „Mottowagen“ zujubeln, wenn der Zug schnurstracks auf die Regierungsgebäude führe und die Aufschriften ernst gemeint wären?

Die Regierenden können sich nichts sehnlicher wünschen, als viele solcher närrischen Umzüge. Das Volk findet sein Ventil für den aufgestauten Unmut und bleibt dennoch fröhlich und friedlich. Außerhalb der närrischen Zeiten ventilieren politische Kabarettisten den Unmut der Bürger. Man ist verzückt und gleichermaßen verwirrt über die Klarheit, mit der manch höchst intelligenter Könner der Zunft die Fakten treffend analysiert und kommentiert.

Die Zuschauer fühlen sich bestätigt und applaudieren dafür, dass ihnen nicht nur die Denkarbeit abgenommen wird, sondern auch noch stellvertretend „denen da oben” die Meinung gegeigt wird. Und das ist das Fatale. Der Karneval und die Kabarettisten sagen die unverblümte Wahrheit, indem sie diese zur Unterhaltung machen. Damit tragen sie unfreiwillig dazu bei, dass Veränderung verhindert wird. Die Narretei ist das Wasser, das den Zement der Politik zu jenem Beton macht, der dann die Füße der Bürger umschließt.

Wirklich ändern wird sich erst dann etwas, wenn die Massen sich bewegen wie am Rosenmontag und die gleichen Forderungen stellen wie am Rosenmontag, es aber ernst meinen und so lange nicht nach Hause gehen, bis die roten Nasen an der Spitze endlich das tun, was notwendig ist. Wenn es eines bestimmten Tages dazu braucht, an dem das alles beginnen soll, dann böte sich der Donnerstag an. Der Donnerstag nach Aschermittwoch. Donnerwetter!

Von der Redaktion bearbeitete Fassung des ausführlicheren Beitrags von Andreas Bangemann in seinem Blog.

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