HUMONDE - Zeitschrift für eine humane Welt und Wirtschaft
Geld oder Leben

Bücher zum Thema
Arbeit & Soziales · Geld & Wirtschaft

1.11.2004

Günther Moewes

Geld oder Leben

Umdenken und unsere Zukunft nachhaltig sichern

Signum Verlag · 260 Seiten · 2004

Zwei Billionen Euro betragen die privaten Geldvermögen von zehn Prozent der Deutschen. 1,3 Billionen beträgt die Staatsverschuldung. Der Staat hat diese Schulden, weil er jahrzehntelang tatenlos zugesehen hat, wie die zehn Prozent der Bevölkerung diese gewaltigen privaten Vermögen weitgehend leistungslos angehäuft haben. Jetzt muss er diesen Vermögensberg der Reichen täglich mit horrenden Zinssummen bedienen und sorgt so für eine ständige lautlose Umverteilung von unten nach oben. Das Geld dafür holt er sich bei den Ärmsten der Armen wieder: bei den Arbeitslosen, Obdachlosen, Rentnern, Behinderten, Blinden, Alleinerziehenden, Heimbewohnern und Sozialhilfeempfängern, bei den Gesundheitskosten, den Lernmitteln und bei den Ersparnissen der Arbeitslosen. „Reform“ nennt er das dann zynisch.

Das System dieser wachsenden Ungleichverteilung ist aufgrund von Zinseszins und Wirtschaftswachstum mathematisch „exponentiell“. Exponentielle Kurven beginnen immer horizontal und harmlos. In Spätzeiten aber schießen sie vertikal ins Nichts und sterben irgendwann den Sternentod. In Deutschland ist dieses Exponentielle sinnigerweise in einem so genannten „Stabilitätsgesetz“ festgeschrieben. Vor der Supernova aber kommt die „Plutokratie“, die ungeschminkte Herrschaft der Milliardäre. In den USA ist sie bereits erreicht.

Moewes schildert spannend und nachvollziehbar, warum Plutokraten unentwegt Medien und Meinungen manipulieren und Kriege anzetteln müssen. Warum der von ihnen initiierte, blutige Kampf zwischen Macht und Gegenmacht in der Geschichte immer mit dem Sieg der Gegenmacht geendet hat. Und warum sich dann die ursprüngliche Gegenmacht so lange mit Preisen, Denkmälern, Prachtbauten und Nationalfeiertagen feiert, bis sie selbst wieder den unausweichlichen Abstieg der Macht antritt und sich gegen die ewigen „Barbaren“ und „Terroristen“ wehren muss.

Es wird deutlich, wie grundsätzlich der Gesamtzusammenhang zwischen Arbeit, Vermögen und Kapital neu durchdacht werden muss und warum das hilflose, kurzatmige Reparaturgebastel der heutigen, so genannten „Politik“ längst nichts mehr bewirken kann. Indem die gängigen Paradigmen der Wirtschafts-, Finanz- und Arbeitsmarktpolitik in Frage gestellt werden, gelangt Moewes zu völlig neuen Lösungsansätzen. Es geht ihm nicht um die bekannten kurzlebigen Reparaturen am System, sondern um eine nachhaltige Neuorientierung.

Günther Moewes ist in Dortmund Professor für Industrialisierung des Bauens. Seit mehr als 20 Jahren beschäftigt er sich in Forschung, Fachaufsätzen und Publikationen mit den Auswirkungen unseres exponentiellen Geldsystems und Wirtschaftswachstums auf Arbeit, Bauen und Sozialsystem. Sein 1995 veröffentlichtes Buch „Weder Hütten noch Paläste“ ist inzwischen besonders bei jüngeren Architekten zu einer Art Kultbuch geworden.

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